Vision: Wieso wird das Potential authentischer unternehmerischer Visionen so selten erschlossen?

February 2nd, 2014 by P Tobler Consulting

Das Potential von Visionen

Das Potential von Visionen

Heutzutage hat fast jedes Unternehmen eine Vision definiert – zumindest auf dem Papier. Ob die Vision auch „Flügel bekommt“ und Menschen innerhalb und ausserhalb des Unternehmens erreicht, steht hingegen auf einem anderen Blatt. Was sind Gründe dafür, dass das unternehmerische Potential einer starken Vision als Bestandteil des Strategischen Managements so selten realisiert wird?

1. Die Gründervision ging verloren

Die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte des Unternehmens ist nicht mehr präsent. Gründer und Pioniere haben das Unternehmen schon längst verlassen und es wurde versäumt, die Kraft der ursprünglichen Vision zu kultivieren und weiterzuentwickeln. Die Verbindung zu den Unternehmenswurzeln ging verloren ohne adäquaten Ersatz.

2. Schwammigkeit des Visionsbegriffes

Die vielfältigen Definitionen und Anwendungen des Visionsbegriffes in der Praxis hinterlassen ein sehr schwammiges unpräzises Bild dieses an sich sehr kraftvollen Bestandteiles Strategischen Managements. In der Folge wird die alleinige Verwendung des Wortes „Vision“ im geschäftlichen Zusammenhang oftmals belächelt und das dahinterliegende Potential für das Unternehmen verkannt.

3. Kein Zugang zu emotionalen Erfolgsfaktoren

Nur wenige Manager wissen mit dem Aspekt der Vision im unternehmerischen Feld umzugehen. Managementausbildungen waren und sind bis heute immer noch zu 99% auf rationale Wissensvermittlung ausgelegt. Die Möglichkeiten emotionaler Ressourcen im Hinblick auf den langfristigen Unternehmenserfolg bleiben daher weitestgehend unausgeschöpft.

4. Unternehmen als finanzielle Zweckgemeinschaft

Viele Unternehmen und dessen Akteure sind „monokulturell“ auf finanzielle Ziele ausgerichtet. Für die Aktionäre steht Rendite im Vordergrund, für Manager und Mitarbeiter Gehalt, Bonus und unter Umständen Aktienoptionen. Aktionäre und Mitarbeiter kommen und gehen. Niemand fühlt sich für das Unternehmen intrinsisch verantwortlich. Sinn, Weitblick und gemeinschaftlicher Beitrag sind Randerscheinungen in diesen „finanziellen Zweckgemeinschaften“.

5. Wir haben verlernt zu träumen

Der visionäre Unternehmer Walt Disney war ein Mensch mit ausgeprägten Visionen. Er trennte konsequent drei verschiedene Phasen der Erarbeitung seiner Ideen und unterschied diese räumlich und zeitlich voneinander. Diese Phasen waren: der Träumer, der Realist und der Kritiker. Für jede dieser drei Positionen hatte Walt Disney sich einen anderen Raum eingerichtet, der ihn durch seine spezifische Ausstattung unterstützte, in günstige Denk- und Gefühlszustände für die jeweilige Frage zu gelangen. Ziel der Walt-Disney-Methode ist es, den Träumer, Realisten und Kritiker in ein Gleichgewicht zu bringen, denn häufig haben wir viele Kritiker, einige Realisten und kaum Träumer. Besonders im geschäftlichen Kontext haben wir verlernt zu träumen.

Ziel des Strategischen Managements ist die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Eine authentische Vision ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen, indem sie wie ein Fixstern für Orientierung und Sinnhaftigkeit innerhalb und ausserhalb des Unternehmens sorgt.

Quelle: Patrick Tobler, P Tobler Consulting, Feb 2014