Unternehmensstrategie: Königsdisziplin oder Zeitverschwendung?

July 25th, 2014 by P Tobler Consulting

Erfahrungen aus der Strategieberatung

Jeweils zu Beginn des Semesters stelle ich den (berufstätigen) BWL-Studenten folgende Frage: „Was löst der Begriff Strategisches Management bzw. Strategie bei Ihnen aus? Was verbinden Sie damit?“. Als Dozent für Strategisches Management würde man sich natürlich freuen, wenn es in den Augen der Studenten bei diesem Thema funkelt und strahlt, aber die einhellige Reaktion zu Beginn des Kurses ist jeweils eine andere. „Schwere und Komplexität“ sind die am meisten genannten Assoziationen von Studenten im Zusammenhang mit Unternehmensstrategie.

Unternehmensstrategie

Unternehmensstrategie Königsdisziplin?

Szenenwechsel in die Management-Etage eines Konzerns. Es gilt die Strategie für die kommenden Jahre zu bestimmen. Auch hier zu Beginn meine offene Frage an das Projektteam: „Wie stehen Sie zum Thema, das wir nun vor uns haben?“. Je nachdem wie offen die Gesprächskultur ist, kommen Antworten wie diese: „Jährliche (lästige) Pflichtübung, lassen Sie uns vorwärts machen.“ Oder: „Wir haben die letzte Strategie ja noch gar nicht umgesetzt. Haben Sie die Folien Ihres Vorgängers bekommen?“.

Sprung in ein KMU und wieder dieselbe Frage an die Geschäftsleitung: „Wie stehen Sie zum Thema Strategie?“. Hier trifft man in der Regel auf zweierlei Reaktionen: „Bisher läuft es auch ohne sehr gut.“ oder „Pragmatisch muss die Strategie sein. Bloss keine wissenschaftliche Studien!“

Jetzt ein Blick in die wissenschaftliche Managementliteratur zum Thema Unternehmensstrategie. Ein Beispiel: „Handbuch der Strategien – 220 Konzepte der weltbesten Vordenker“. Jedes Konzept vorgestellt auf je 2 Seiten. Oder ein anderes Buch: „Strategisches Management“ von Lombriser/Abplanalp. 400 Seiten geballtes Wissen in 120 (!) Unterkapiteln und versehen mit mehr als 500 Literaturhinweisen. Diese Bücher sind vollbeladen mit vielschichtigem und wertvollem Strategiewissen, aber für den unmittelbaren Praxiseinsatz unbrauchbar, da sehr wenig Verdichtung stattfindet. Das grosse Bild geht verloren.

Ist Unternehmensstrategie Zeitverschwendung?

Was hat es also mit diesem Konzept der „Strategie“ auf sich? Wichtig aber ungeliebt? Komplex aber notwendig? Königsdisziplin für erfahrene Berater, Management-Gurus und Management-Workaholics? Oder gar sinnlose Geld- und Zeitverschwendung?

Das BIG PICTURE ist entscheidend

„Strategie“ ist im Kern ein sehr faszinierendes Thema, das ohne Zweifel massgeblich zum langfristigen Unternehmenserfolg beitragen kann. Aber nur sofern man die Strategieentwicklung analytisch und konzeptionell nicht überlädt und das „BIG PICTURE“ nicht aus den Augen verliert.

Die Strategie ist die Zentrierung der (limitierten) Kräfte (Zeit, Know How, Kapital) hin auf die Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolges. Dabei ist es wichtig, dass jedes Unternehmen zuerst bewusst definiert, was es denn unter langfristigem Unternehmenserfolg versteht. Wofür existieren wir als Unternehmen? Haben wir eine echte Vision?

Nur wer diese Frage für sich und das Unternehmen authentisch beantwortet, wird die Strategieentwicklung als Königsdisziplin betrachten. Königsdisziplin deshalb, weil die Strategie den Hebel darstellt, mit dem die unternehmerische Kraft ohne Wirkungsverlust auf die Erreichung der Vision und Unternehmensziele ausgerichtet wird.

Zutaten der Königsdisziplin

Und genau hier gilt es anzusetzen, wenn wir in Zukunft bei der Erwähnung des Wortes „Strategie“ in leuchtende Augen von Studenten, Managern, Unternehmern und auch Unternehmensberatern schauen wollen:

1. Ohne tragende Vision, braucht es keine Strategie. Dann ist Strategie nicht Königsdisziplin, sondern tendenziell Zeitverschwendung.

2. Strategiearbeit darf mental nicht erschlagen. Die Kunst ist es, das „Big Picture“ herauszuschälen. Die Zutaten dazu sind: Eine griffige Analysebasis von Unternehmen und Umfeld, Unternehmer-Herzblut (Leitbild), Erfahrung, Intuition, Kreativität und Teamintelligenz gepaart mit ausgewählten Strategiemethodiken.

In diesem Sinne kann Strategiearbeit in der Tat beides sein: Königsdisziplin oder Zeitverschwendung.

 

Quelle: Patrick Tobler, P Tobler Consulting, Juli 2014

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